Monat: Januar 2018

Neo Rauch – Dromos Painting 1993–2017

Dromos Painting 1993–2017, Museum de Fundatie, Zwolle, Niederlande, 21. Januar bis 3. Juni 2018

Die Retrospektive zeigt mehr als 60 Arbeiten, die die Karriere des Künstlers nachvollziehen lassen, ausgehend von der ersten Soloausstellung in Leipzig 1993 bis heute und schließt Werke anderer Künstler aus der Privatsammlung von Neo Rauch und seine Frau Rosa Loy ein.

Die Anfänge seiner Malerei bieten meist Gegenüberstellungen von Personen in einer Haltung, die alle Bewegung eingefroren erscheinen lässt, der Ablauf ziellos, mechanisch, unhinterfragt. Gedämpfte Farben, oft herrschen braun, ocker in stumpfem Farbauftrag vor. Das Thema „Maler / Malerei“ wird immer wieder in den Bildern abgehandelt. Ab 2003 nimmt die Farbigkeit stark zu, kräftige Töne beherrschen die riesigen Formate. 2005 tauchen dann die ersten Figuren in einer Kleidung aus vergangen Zeiten auf, Gehröcke, Kniehosen, Zylinder. Die Bewegungen der Protagonisten wirken oft kampforientiert, gewaltbereit, trotzdem im Ablauf starr, gehemmt.

Neo Rauch weiß, dass seine Arbeit bei vielen Kritikern als rückwärtsgewandt gilt. Trotzdem hält er seine Richtung ein, verweist auf sein Thema: Malerei.

Nazzarena Poli Maramotti und Thomas Bergner

DebütantInnen 2018, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, 18. bis 27. Januar 2018

Die Professorinnen und Professoren der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg wählen jedes Jahr zwei herausragende Absolventen für die Debütantenförderung des Freistaats Bayern aus. 2017 wurden Nazzarena Poli Maramotti und Thomas Berner gewürdigt. Mit der Auszeichnung verbunden ist eine Ausstellung in der Akademie. Diese nutzten beide zur Vorstellung ihrer durch die Debütantenförderung mit-finanzierten Kataloge.

In der großen Ausstellungshalle zeigt Nazzarena Polo Maramotti großformatige Ölbilder auf Leinwand. Sie sind für diesen Zweck in den letzten Monaten entstanden. Die Künstlerin bleibt ihren Ansätzen treu. Sie setzt sich intensiv mit Themen der klassischen Malerei auseinander: Stillleben, Figur, Landschaft. Vorherrschend bei den gezeigten Bildern ist das Sujet Landschaft. Die Bilder sind sicherlich in Serie entstanden, haben oft ähnliche Farbwerte. Interessante Vergleiche entwickeln sich. Auffallend ist die Beziehung zwischen der gestisch aufgetragenen Farbe und dem Raum. Eine Malerei aus Leidenschaft setzt sich mit diesen Themen auseinander.
Trotzdem: in ihren früheren Arbeiten – stark an Figürlichem aus Renaissance und Barock orientiert, meist in schwarz, grau, weiß gemalt, blieb eine Art von Experimentierfreude spürbar, ein Mut zum Risiko, der, das gebe ich zu, mir sehr liegt. Die jetzt gezeigten Arbeiten wirken zweifellos reifer, sehr souverän für eine so junge Künstlerin, aber für mich trotz allem Forschen und Experimentieren recht gediegen. Möglicherweise speist sich dieser Umstand auch aus dem Bildgedächtnis dieser aus Italien stammenden Künstlerin. Es wird spannend, zu beobachten, wie die Entwicklung weitergeht und wohin sie führt.

Thomas Bergner zeigt Fotos, die im ersten Moment Zweifel aufkommen lassen: Malerei oder Fotografie? Oft dunkle, nahezu monochrom wirkende Flächen, die beim längeren Betrachten Details offenbaren in oft stillen Zwischentönen. Man muss sich auf sie einlassen, das ist ja wirklich nicht schlecht, bis sich Erkenntnisse einstellen und Bilddetails aufscheinen. Ein gut gestalteter Raum und zwei unterschiedliche Positionen in gelungenem Zusammenspiel.