Wer Gespenst spielt, wird selber eins.

Beitrag zur Kuratorinnenausstellung „Entering the Flow“ im Rahmen der Jahresausstellung 2016 der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg, zusammengestellt von Simone Neuenschwander und Judith Grobe (Albrecht-Dürer-Gesellschaft Nürnberg)

Hin zur Ununterscheidbarkeit, Auflösung in der Gruppe, im Umraum, im Immateriellen – rückstandslos schweben. Entering the flow. Eins werden mit Anderem, wie sich Zebrastreifen an der Wasserstelle zu einem ineinander verwobenen Gebilde verflechten. Die Steigerung der Kugelmenschen führt in unauflösbare Kollektive. Wissen wohin man gehört, wie und wem man gehört.


Alexandra Hojenski, Vorsicht: Wer Gespenst spielt, wird selber eins.
2016, Textil auf Keilrahmen, 200 x 150 cm; Inkjet-Druck auf MDF, 25 x 90 cm; Handtuch, bemalt, 150 x 100 cm; PVC-Matte, bemalt, 150 x 150 cm (Sammlung Martin)

Deshalb: „Vorsicht: Wer Gespenst spielt, wird selber eins“, mit diesem Vorsatz beginnt der Surrealist Roger Caillois seinen Text „Mimese und Legendäre Psychasthenie“. Caillois verknüpft darin zahlreiche Beispiele, die Zweck und Nutzen von Mimese in der Tierwelt untersuchen, mit psychischen Verfassungen und endet in der Faszination der Anziehung des Raums: Depersonalisierung durch Angleichung an den Raum. Diese Faszination, im Guten wie im Schlechten, die Caillois 1935 über Erscheinungen in der Natur veranschaulicht, wird im virtuellen Raum des Digitalen aktualisiert. Statt in glatter Digitalität zu agieren, wende ich mich an den Widerstand uns umgebender Materialitäten. Als Vorschlag lasse ich eine Gruppe von vier Objekten unter dem Deckmantel surrealistischer Subjektauflösung antreten. Als im kargen Ausstellungsraum ausgesetzte Gemeinschaft lassen sich Handtuch, Bodenmatte, Umriss und Projektionsfläche nicht allein. Man liegt auf, blickt hindurch oder wird abgeschnitten. Eine Verbindung mit etwas einzugehen, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig Einigkeit.


 

Für einen Abdruck auf einem Badetuch bedarf es Nässe und eines ruhenden Körpers. Mich selbst triefend nass auf dem Handtuch abgelegt, erzeuge ich zwischen Schweiß und Farbe Prägungen zweifelhafter Prominenz in Isolationshaft eines Einpersonenbadetuchs. Zu einer festen Haltung zu finden fällt nun auf deren Rückstände zurück. 20 Minuten Haltung vergehen dabei mit oder ohne Überzeugung, zumal sie im Liegen keiner Anstrengung bedarf. Als Gegenspielerin dieser Starre platziere ich die Bodenmatte. Auf ihr, einander überlagernde Abdrücke von rollenden Körpern, die gemeinsam ein amorphes Geflecht ergeben. Die Struktur der entstandenen Farbkruste verschlingt die Konturen. So wird der vorhergehende körperliche Kontakt erst sichtbar, wenn man nahe herantritt und einen – der Nacktheit entsprechenden – Sicherheitsabstand überschritten hat. Selbst als Flunder animiert, sondiert sie den Untergrund.


 

Verlässt das Subjekt selbst die Sphären des Greifbaren, so bleibt die Möglichkeit, das zu halten, was es umgibt. Ein Ausschnitt nichtssagender Umgebung zeichnet sein Negativ.

Alexandra Hojenski