Alle Artikel vonHerbert Martin

Schweizer Pavillon auf der Biennale Venedig 2017 mit Hubbard/Birchler

Für den Schweizer Beitrag wurde – eher ungewöhnlich – ein Kurator ausgewählt: Philipp Kaiser hat ein stimmiges Konzept für diesen Länderpavillon entwickelt. Den Mittelpunkt bildet der in der Scherz geborene Alberto Giacometti.

Teresa Hubbard und der ebenfalls in der Schweiz geborenen Alexander Birchler fanden nach langen Recherchen um FLORA MAYO zu deren Sohn David, dem einzigen Akteur in einem 30minütigen Film. Flora studierte zusammen mit Alberto in Paris, kehrte in die USA zurück und lebte dort in einfachen Verhältnissen zusammen mit ihrem Sohn David, dessen Vater unbekannt bleibt. In dem Film findet dieser nunmehr ältere Mann Zugang zu Dokumenten seiner Mutter, kleinen Erinnerungsstücken usw., die möglicher Weise auf eine Liaison mit Alberto schließen lassen. Es bleibt im Unklaren. David spielt seine Rolle nicht, er lebt unpathetisch und völlig natürlich und, das muss man sagen, anrührend unprätentiös vor oder trotz der Kamera. Wie die beiden Künstler ihm so nahe kamen bleibt in Rätsel. Dabei entsteht der Eindruck, als ob David selbst überrascht wäre vom ihm bisher verborgen gebliebenen Leben seiner Mutter.
Der Film hat mich sehr bewegt in seiner unaufgeregten Emotionalität.

Carol Bove, in Genf geben, hat Skulpturen geformt aus etwa ein Zentimeter dickem Stahl: abstrakte Gebilde in einer Größe, die irgendwie auch an menschliche Figuren erinnert – alle in hellem blau lackiert. Ich entwickle eine gewisse Skepsis wenn das Ausgangsmaterial durch Farbauftrag seine Authentizität verändert. Doch wirken diese „Figuren“ durch das Blau entstofflicht, leichter, irgendwie erinnern sie an Giacomettis Schreitende, wie sie da einsam und suchend den Hof des Pavillons bevölkern.

Bei all der Flut von Werken in Venedig ein großartiges Zusammenspiel von Kurator und Künstlern. Nach meiner Meinung einer der besten und schönsten Beiträge der Biennale 2017.

Link zu einem Beitrag über den Pavillon bei 3sat.

Callum Innes – Kerlin Gallery

Callum Innes zeigt mit Arbeiten auf Aluminium eine neue Werkfolge.
Auch auf Papier sind neue Arbeiten entstanden: Pastellkreide in intensiven Farben wurde per Hand in eigens handgefertigtes Papier eingearbeitet.

Callum Innes’ Arbeiten finden sich in öffentlichen Sammlungen wie Centre Pompidou, Tate London, Guggenheim Museum New York.

Callum Innes, Kerlin Gallery, Dublin, Irland, 8. September bis 14. OKtober 2017

Gerhard Richter – Neue Bilder

32 Neue Bilder, Klein- und Mittelformate, entstanden ein 2015: farbkräftig, gestisch – ein Werk, das eher nach Aufbruch aussieht und keineswegs abgeklärt wirkt, kaum an einen Maler von fünfundachtzig Jahren denken lässt. Nicht austariert bis ins Detail, sondern mit entschlossenem Mut zum Risiko – und spürbarer Freude. Pinsel, Rakel werden eingesetzt – und die leuchtende Farbe an manchen Stellen abgekratzt und mit dem Messer durchkreuzt.

Ein Erlebnis.

Neue Bilder, Albertinum, Dresden, 20. Mai bis 3. September 2017

Teresa Hubbard / Alexander Birchler – GIANT

Die 3-Kanal-Filminstallation befasst sich im Schwerpunkt mit den Themen Ort, Filmgeschichte, Erinnerung. Außerhalb von Marfa, Texas, liegen Spuren des Sets zum Film „Die Giganten“, in dem Elisabeth Taylor und James Dean mitwirkten. Das Werk von Hubbard / Birchler verbindet Vergangenheit und Gegenwart.

GIANT, Blanton Museum of Art, Austin, USA, 9. Juli bis 1. Oktober 2017

Die beiden Künstler leben in Austin und Berlin und sind im Pavillon der Schweiz auf der Biennale 2017 in Venedig vertreten.

Das Neue Museum in Nürnberg zeigt derzeit Arbeiten aus unserer Sammlung.

Wilhelm Sasnal

BEYELER COLLECTION/REMIX EXHIBITION, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, 9. Juni bis 3. September 2017 (Gruppe)
Wilhelm Sasnal zeigt im Rahmen der BEYELER COLLECTION/REMIX EXHIBITION zum ersten Mal Werke in der Fondation Beyeler. Mit zehn Neuzugängen von Sasnal der letzten Jahre wird die Sammlung gezielt um zeitgenössische Arbeiten erweitert.
Künstlergespräch, Hans Ulrich Obrist im Gespräch mit Wilhelm Sasnal, Freitag, 16. Juni 2017, 17 Uhr, Fondation Beyeler

Wilhelm Sasnal, Anton Kern Gallery, New York, 22. April – 20. Mai 2017
Pressestimmen zur Ausstellung: New York Times , Frieze, Phaidon, Purple

Sebastian Tröger

Über das Banale zum Nachdenken zu (ver)führen.
Gelingt Sebastian Tröger auch hier.

Fürchtet Euch (nicht)!, Böhler & Orendt, Sebastian Tröger, Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst, München, 05. Mai bis 22. Juli 2017
Mit seinem Riesengemälde „Die große Angst“verknüpft er klassische Themen mit aktuellen Problemen.

WORKING ON SUNSHINE, Galerie JO VAN DE LOO, München, 24. Mai bis 08. Juli 2017

Maschinen. Objekte. Obsessionen, KulturPalastAnwanden, Gut Wolfgangshof, Zirndorf, 22. bis 25. Juni 2017 (Gruppe)