Kategorie: Lektüre

Michel Majerus – On Aluminium

Zwei Ausstellungen zeigten in Galerien in Berlin und New York Aluminiumbilder von Michel Majerus. Er begann 1996 handelsübliche Aluminium-Paneele monochrom zu lackieren und verband diese Flächen mit Siebdrucken, deren Motive aus der Popkultur stammen.
Aufschlussreich sind neben der Einführung von Jan Tumlir Beiträge von Künstlern, die im engen Kontakt zu Michel Majerus standen und dadurch ein facettenreiches Bild des Künstlers vermitteln: Thomas Demand, Laura Owens, Jorge Pardo, Jordan Wolfson, Christopher Wool.

Katalog: Michel Majerus – On Aluminium
Distanz-Verlag

David Sylvester – Ein Gespräch mit Philip Guston

Das kleine Buch enthält ein Gespräch zwischen Philip Guston und dem Autor aus dem Jahr 1960, vier Texte des Künstlers und einen Vortrag aus dem Jahr 1978.
Philip Guston spricht sehr offenherzig über sich, seine Vorbilder, die Probleme mit seiner Arbeit.
Viele persönliche Aussagen erlauben Rückschlüsse zur Entwicklung seiner Malerei. Guston vertritt die Meinung, dass Künstler über ihre Arbeit sprechen sollten, jedoch nicht über die Bedeutung ihrer Bilder. Dies zu erörtern überlässt er den Kunsthistorikern, die das nach seiner Meinung sehr viel besser als er beherrschen.
Aufschlussreich und lebensnah berichtet er über sein Schaffen. Ein eindrucksvolles Buch.

David Sylvester – Ein Gespräch mit Philip Guston
Piet Meyer Verlag

Joost Zwagerman – Das Duell

Dieses kleine hinreißende Buch erschien 2010 in Holland.
Den Kunstbetrieb kennt der Autor in all seinen Phasen und Facetten.
Im Mittelpunkt der spannenden Geschichte steht ein (fiktives) Rothko-Gemälde,
aufschlussreiche Gedanken kreisen intensiv um Malerei und deren Betrachtung, der Text kommt nie platt oder belehrend daher. Ein unerwartetes Ende macht diese Satire beinahe zum Krimi. Sehr lesenswert.
Für mich ein echtes Highlight und Vergnügen.

Joost Zwagerman – Das Duell
Weidle Verlag

Alberto Giacometti und Gerhard Richter – Fondation Beyeler, Riehen (CH)

Drei mannshohe Große Schreitende, gut im Raum platziert, eine Büste, ohne Sockel auf dem Fußboden.
An den Wänden hängen vier großformatige Richter-Arbeiten aus dem Jahr 2104, jeweils als Diptychon in zwei unterschiedlichen Hälften in leicht variierenden Grautönen aus emailliertem Glas. Ihre makellosen, kühlen Oberflächen spiegeln den Raum.
Die nervösen Umrisse der Giacometti-Figuren, ihr suchendes Schreiten, der Drang noch vorne werden den ruhigen, hochglänzenden Oberflächen der Richter-Arbeiten gegenüber gestellt. Zwei höchst unterschiedliche Positionen, die sich gegenseitig aufladen. Plötzlich scheinen die Umrisse der Figuren den kühlen Glanz der Bildoberflächen aufzunehmen, werden dadurch noch immateriellerer, abstrakter. Die Grautöne der Bildarbeiten antworten auf das Material der Figuren, werden – je nach Standort – lebendiger. Und das alles in einem Raum mit dafür idealen Proportionen.
Ich habe selten eine so glückliche Kombination erlebt.