Kategorie: Seitenblicke

Daniel Bischoff, Michael Franz, Alexandra Leykauf, Eva Raschpichler

Daniel Bischoff, Michael Franz, Alexandra Leykauf, Eva Raschpichler, Oechsner galerie, Nürnberg, November und Dezember 2017

Die Finissage war im Dezember 2017, doch die Ausstellung beschäftigt mich auch heute noch. Michael Franz zeigt in dieser von ihm kuratierten Ausstellung vier Positionen, Lassen Sie mich zwei herausgreifen.


Foto: Anette Kradisch

 

Thema ist der Kunstbetrieb, der in einem Video von Michael Franz aufgegriffen wird: die Künstler im Alltag, reden, essen, Gespräche mit der Galeristin, Austausch, kaum Gedanken über hohe Kunst.

Umgesetzt wird diese Haltung von Michael Franz in Kugelschreiberzeichnungen. Das Sujet: ein Antes-Kopf. Horst Antes hat diesen Kopf in allerlei Formen und Materialien gebracht, er wurde zu seinem Markenzeichen. Und Michael Franz übernimmt das Original, bildet das Original mittels Kugelschreiber in ähnlicher roter Farbe nach, ein Alltagsschreibgerät, das ein sozusagen hehres Kunstwerk auf eine andere Ebene bringt. Noch dazu zeigt er „seinen“ Kugelschreiberkopf in verschiedenen Ausführungen und Größen, die Einmaligkeit des Werks wird hinterfragt, es lässt sich so auch als Wanddekoration interpretieren. Hart, aber Kunstmarkt halt, der letztlich irgendwo auch im Galeriebetrieb seine Abwicklung findet. Schon klar, Galerie ist nicht gleich Galerie, viele neigen zum Kunsthandel und weichen dem mühsamen und erforderlichen Einsatz aus.

Die andere Position: Daniel Bischoff, ein junger Maler im wahrsten Sinn. Einer, der sich an der klassischen Malerei orientiert – und abarbeitet. Es ist einfach spannend, ja betörend, seiner immer weitergehenden Auslotung der Malerei zu folgen: Fläche, Malgerät, Farbe, Farbauftrag, Zwischenräume, abstoßend und anziehend, alles nicht neu, schon mal erprobt, und doch werkelt hier einer intelligent und mit vollem Einsatz in der Materie weiter – und schafft Bilder im Jetzt. Ich meine, richtig erfassen lässt sich dieser Weg eigentlich nur durch das konsequente Verfolgen seiner Arbeit über Zeiträume hinweg. Aber daran hat man seine Freude.

Eine gelungene und gut konzipierte Ausstellung mit inspirierenden Grundgedanken.

Wilhelm Sasnal – Und nochmal DRUM SET

Der recht jung wirkende Wilhelm Sasnal bei einer Pressekonferenz in Warschau – im Jahr 2008. Eigentlich kein Wunder, ist ja nahezu zehn Jahre her. Wir haben das Foto aus unserem Archiv ausgegraben, weil DRUM SET uns die letzte Zeit sehr beschäftigt hat.

Wie wichtig Wilhelm Sasnal diese Arbeit – und die Musik – ist, lässt sich aus dem Setting ablesen. Der Maler stellt sich der Presse, über ihm das Bild DRUM SET, das als Leitmotiv in die Ausstellung führt.

Neo Rauch – Dromos Painting 1993–2017

Dromos Painting 1993–2017, Museum de Fundatie, Zwolle, Niederlande, 21. Januar bis 3. Juni 2018

Die Retrospektive zeigt mehr als 60 Arbeiten, die die Karriere des Künstlers nachvollziehen lassen, ausgehend von der ersten Soloausstellung in Leipzig 1993 bis heute und schließt Werke anderer Künstler aus der Privatsammlung von Neo Rauch und seine Frau Rosa Loy ein.

Die Anfänge seiner Malerei bieten meist Gegenüberstellungen von Personen in einer Haltung, die alle Bewegung eingefroren erscheinen lässt, der Ablauf ziellos, mechanisch, unhinterfragt. Gedämpfte Farben, oft herrschen braun, ocker in stumpfem Farbauftrag vor. Das Thema „Maler / Malerei“ wird immer wieder in den Bildern abgehandelt. Ab 2003 nimmt die Farbigkeit stark zu, kräftige Töne beherrschen die riesigen Formate. 2005 tauchen dann die ersten Figuren in einer Kleidung aus vergangen Zeiten auf, Gehröcke, Kniehosen, Zylinder. Die Bewegungen der Protagonisten wirken oft kampforientiert, gewaltbereit, trotzdem im Ablauf starr, gehemmt.

Neo Rauch weiß, dass seine Arbeit bei vielen Kritikern als rückwärtsgewandt gilt. Trotzdem hält er seine Richtung ein, verweist auf sein Thema: Malerei.

Nazzarena Poli Maramotti und Thomas Bergner

DebütantInnen 2018, Akademie der Bildenden Künste Nürnberg, 18. bis 27. Januar 2018

Die Professorinnen und Professoren der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg wählen jedes Jahr zwei herausragende Absolventen für die Debütantenförderung des Freistaats Bayern aus. 2017 wurden Nazzarena Poli Maramotti und Thomas Berner gewürdigt. Mit der Auszeichnung verbunden ist eine Ausstellung in der Akademie. Diese nutzten beide zur Vorstellung ihrer durch die Debütantenförderung mit-finanzierten Kataloge.

In der großen Ausstellungshalle zeigt Nazzarena Polo Maramotti großformatige Ölbilder auf Leinwand. Sie sind für diesen Zweck in den letzten Monaten entstanden. Die Künstlerin bleibt ihren Ansätzen treu. Sie setzt sich intensiv mit Themen der klassischen Malerei auseinander: Stillleben, Figur, Landschaft. Vorherrschend bei den gezeigten Bildern ist das Sujet Landschaft. Die Bilder sind sicherlich in Serie entstanden, haben oft ähnliche Farbwerte. Interessante Vergleiche entwickeln sich. Auffallend ist die Beziehung zwischen der gestisch aufgetragenen Farbe und dem Raum. Eine Malerei aus Leidenschaft setzt sich mit diesen Themen auseinander.
Trotzdem: in ihren früheren Arbeiten – stark an Figürlichem aus Renaissance und Barock orientiert, meist in schwarz, grau, weiß gemalt, blieb eine Art von Experimentierfreude spürbar, ein Mut zum Risiko, der, das gebe ich zu, mir sehr liegt. Die jetzt gezeigten Arbeiten wirken zweifellos reifer, sehr souverän für eine so junge Künstlerin, aber für mich trotz allem Forschen und Experimentieren recht gediegen. Möglicherweise speist sich dieser Umstand auch aus dem Bildgedächtnis dieser aus Italien stammenden Künstlerin. Es wird spannend, zu beobachten, wie die Entwicklung weitergeht und wohin sie führt.

Thomas Bergner zeigt Fotos, die im ersten Moment Zweifel aufkommen lassen: Malerei oder Fotografie? Oft dunkle, nahezu monochrom wirkende Flächen, die beim längeren Betrachten Details offenbaren in oft stillen Zwischentönen. Man muss sich auf sie einlassen, das ist ja wirklich nicht schlecht, bis sich Erkenntnisse einstellen und Bilddetails aufscheinen. Ein gut gestalteter Raum und zwei unterschiedliche Positionen in gelungenem Zusammenspiel.

Über das Hängen der Bilder


Immer wieder spannend, diskussionsfordernd, diskussionswürdig.
2 cm höher, Mittelachse, nein, doch zu langweilig, viel mehr Abstand – man kennt das.

Und die Arbeiten brauchen viel Raum. Die meisten. Eigentlich alle. Und so irgendwie dazwischen hängen geht gar nicht. Stimmt. Und so bloß in eine Nische, nein. Probieren geht über…

Hätte ich nicht gedacht. Die Nische wird zum Kabinett, bildet einen Raum. Und der – ich nenne ihn „ gute Geist“ – fühlt sich dort wohl. Und wir uns mit ihm auch. Wirkt nicht eingezwängt, nicht nach „irgendwo sollte der schon hängen“. Die Arbeit, lässig, ein paar Striche, grau in grau. Hellgrau. Kein furchteinflößendes Wesen. Er taucht aus der Tiefe auf, schält sich nach vorn, bald wird er wieder verschwinden? Einen Namen hat er noch nicht. Mal sehen, was noch geschieht…

Ephemer wirkt dieses Gesicht (also für mich ist es eines) durch die stark verdünnt aufgetragene Farbe, hingestupst die handtellergroßen Augen. Darin liegt auch der Reiz, dass er trotzdem Bestand hat, der gute Geist.

Seitenblicke – Anton Henning

Anton Henning, 50 x 60 cm, Öl auf Leinwand, 2003

 

Darf man so malen? Ein Konglomerat. Zitate von Mondrian, Gaston, Picasso –
das Blau der Pools von Hockney. Frech. Gekonnt. Der Künstler versteht es, selbst auf dem relativ kleinen Format, sein Kunstwissen spielerisch und mit einem guten Schuß Ironie gut zusammen zu fügen.

Kalkül, klar, aber mir vermittelt das Bild eine solche Freude und Leidenschaft
am reinen Malen. Raffiniert, der Kringel durchbricht das geometrische Weiß und
nimmt die Form des Gebogenen auf, verbindet die zitierten Gesten. In der schwarzen Fläche oberhalb wellenartige Bögen, nicht zu perfekt. Das macht es aus. Keine Kopie von großen Malern, sondern fröhlicher Respekt. Schenkt mir bei jeder Betrachtung ein Lächeln.