Kategorie: Seitenblicke

Über das Hängen der Bilder


Immer wieder spannend, diskussionsfordernd, diskussionswürdig.
2 cm höher, Mittelachse, nein, doch zu langweilig, viel mehr Abstand – man kennt das.

Und die Arbeiten brauchen viel Raum. Die meisten. Eigentlich alle. Und so irgendwie dazwischen hängen geht gar nicht. Stimmt. Und so bloß in eine Nische, nein. Probieren geht über…

Hätte ich nicht gedacht. Die Nische wird zum Kabinett, bildet einen Raum. Und der – ich nenne ihn „ gute Geist“ – fühlt sich dort wohl. Und wir uns mit ihm auch. Wirkt nicht eingezwängt, nicht nach „irgendwo sollte der schon hängen“. Die Arbeit, lässig, ein paar Striche, grau in grau. Hellgrau. Kein furchteinflößendes Wesen. Er taucht aus der Tiefe auf, schält sich nach vorn, bald wird er wieder verschwinden? Einen Namen hat er noch nicht. Mal sehen, was noch geschieht…

Ephemer wirkt dieses Gesicht (also für mich ist es eines) durch die stark verdünnt aufgetragene Farbe, hingestupst die handtellergroßen Augen. Darin liegt auch der Reiz, dass er trotzdem Bestand hat, der gute Geist.

Seitenblicke – Anton Henning

Anton Henning, 50 x 60 cm, Öl auf Leinwand, 2003

 

Darf man so malen? Ein Konglomerat. Zitate von Mondrian, Gaston, Picasso –
das Blau der Pools von Hockney. Frech. Gekonnt. Der Künstler versteht es, selbst auf dem relativ kleinen Format, sein Kunstwissen spielerisch und mit einem guten Schuß Ironie gut zusammen zu fügen.

Kalkül, klar, aber mir vermittelt das Bild eine solche Freude und Leidenschaft
am reinen Malen. Raffiniert, der Kringel durchbricht das geometrische Weiß und
nimmt die Form des Gebogenen auf, verbindet die zitierten Gesten. In der schwarzen Fläche oberhalb wellenartige Bögen, nicht zu perfekt. Das macht es aus. Keine Kopie von großen Malern, sondern fröhlicher Respekt. Schenkt mir bei jeder Betrachtung ein Lächeln.