Die großen Drei

 

sebastian troeger

Sebastian Tröger, Die großen Drei
2015, Öl auf Leinwand, 30 x 72 cm (Sammlung Martin)

Drei lose Tafeln, optisch verbunden durch eine gelbe Einrahmung. Ein kleiner Bilderverbund von faszinierender archaischer Wucht. Der in Nürnberg lebende Maler Sebastian Tröger (*1986) denkt ganz aus der Farbe heraus, die er in burschikosem Zugriff nutzt, um seinen Werken einen expressiven, urwüchsig Ausdruck zu verleihen, den man auch als unverfeinert, roh und authentisch charakterisieren könnte, vielleicht im Sinne des „richtigen guten schlechten Geschmacks“ Martin Kippenbergers.

Auf jeder Bildtafel ist ein Kopf zu sehen. Im Wesentlichen wird Farbe für die Darstellung von Haaren und Bart sowie die Andeutung von Kleidung dick und ungemischt aufgetragen, so, wie sie aus der Tube kommt. Lediglich die Wiedergabe der Binnenstruktur der Gesichtspartien erfolgt durch Farbmischung, um durch Licht- und Schattenzonen den Eindruck von Räumlichkeit zu vermitteln. Die rechte Figur zeigt eine gewisse Nähe zu den bei Tröger ebenfalls zu findenden Figuren des „Wilden“ oder des „Wilderers“.

sebastian troeger

Wenn man das Dreitafelbild erzählen, der visuellen Erscheinung also eine außerbildliche Referenz unterlegen würde, könnte eine Möglichkeit, die nahe liegt, uns in Richtung der christlichen Tradition, mithin an die „Heiligen Drei Könige“ denken lassen. Wobei bei Tröger, dem oftmals der Schalk im Nacken sitzt, von einer traditionskonformen Darstellungsweise eher nicht auszugehen ist. Immerhin sehen wir in der Dreitafel-Komposition zwei Bärtige (davon einen mit dunklem Vollbart) und einen Bartlosen. Die linke Figur trägt eine Krone, die mittlere ein Kopftuch, das von einem Kopfring gehalten wird, so wie aus der arabischen Welt bekannt. Es könnten die bekannten Caspar, Melchior und Balthasar sein. Aber ob es sich um Sterndeuter, Philosophen, Magier, kurz „Weise aus dem Morgenland“, wie sie Martin Luther bezeichnet, handelt, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Von der Kleidung sieht man nicht viel. In einer Überlieferung von Beda Venerabilis (oder dessen Nachfolger) um 730 heißt es: „Aber alle deren Kleider sind wie die der Syrer“ (Omnia autem vestimenta eorum Syriaca sunt).

Sebastian Tröger ist ein wissender und heiter agierender, Provokationen nicht ausschließender Künstler, der daran interessiert ist, zu überraschen und überkommene Wertmaßstäbe zu brechen, um über eine gesteigerte Aufmerksamkeit für das Banale, Niedrige und letztendlich Ausgestoßene und Fremde zu tieferer Wahrheit zu finden.

Christoph Tannert

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Heilige_Drei_Könige