Karl Fritsch Schmuckkünstler

 

Sich zu schmücken, ebenso kostbare wie schöne Dinge am Körper, auf der Haut, am Finger zu tragen, das ist ein Urbedürfnis des Menschen.

Im herkömmlichen Sinn gilt die Verwendung von Gold, Silber, Edelsteinen als wesentliches Bestandteil eines Schmuckstücks.

Der Schmuckkünstler Karl Fritsch denkt anders.
Regellosigkeit und Respektlosigkeit gelten bei ihm als ästhetische Methode.
Weder Industriedesign noch traditionelles Kunsthandwerk sind seine Welt.

Bei ihm geht es nicht um die Präsentation teueren Materials als Ausdruck einer sozialen Zughörigkeit. Er verweigert die ewig gültige Formgebung. Nicht die Wertigkeit des Materials steht im Vordergrund, sondern die Gestaltung.

Karl Fritsch: „Ich möchte einmal mit Gold so umgehen wie mit Plastilin.“

Die Regeln und Konventionen des Handwerks, die dem Goldschmied Karl Fritsch beigebracht wurden, weiß der Schmuckkünstler Karl Fritsch mit spitzbübischer Lust zu brechen. Er verfremdet konventionelle Produktionsweisen, sodass die Entstehungsprozesse sichtbar bleiben. Er klebt Edelsteine auf klobige Ringe. Er lässt Gold und Silber beim Gießen schwarz oxidieren, erst beim Tragen wird das Edelmetall langsam wieder sichtbar.
Er verwandelt einen vorhandenen Ring dergestalt, dass das fertige Schmuckstück aussieht, so sein ehemaliger Professor Otto Künzli, „als hätte der Karl den kaputten Ring mit einem goldenen Kaugummi geflickt.“

Er lässt sich vom Material leiten, reagiert auf seine Eigenschaften.
Heftigkeit und Fantasie des Künstlers spiegeln seine Schmuckstücke.
Dabei geht es ihm nicht darum, „anderes“ zu schaffen.

Professor Dr. Hufnagel: „Er missachtet alle Regeln und probiert Neues aus. Es geht ihm nicht um nur grobe Provokation, Provokation schwingt mit, aber dahinter steckt großes Können um sich diese erlauben zu können.“

Nägel, Schrauben, Gold, Edelsteine: die gleiche Wertigkeit für jedes Material, manchmal in einem Ring. Es zählt die Form. Er stellt sich gegen Mainstream und Industrienorm.

Seine Schmuckstücke können als SKULPTUR IN MINIATUR gesehen werden.

Die Verbindung Kunst und und Schmuck ist schwierig. Schmuck soll tragbar sein. Bei Karl Fritsch erleben wir spannende Entwicklungen.

Karl Fritsch: „Die Welt ändert sich, auch der Schmuck muss sich ändern.“
 
Herbert Martin
 

Karl Fritsch, geboren 1963 in Sonthofen (Bayern), Ausbildung an der Goldschmiedeschlule Pforzheim, Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei Prof. Hermann Jünger und Prof. Otto Künzli. Zahlreiche Ausstellungen weltweit, Workshops, vielfältige Tätigkeit als Gastdozent. Arbeiten in öffentlichen Sammlungen. Lebt und arbeitet in Neuseeland.

Textzitate aus einem Feature des Bayerischen Rundfunks 2016, u.a. von Professor Dr. Florian Hufnagel, Otto Künzli, Karl Fritsch.

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