RIO

 

Teresa Hubbard, Alexander Birchler, RIO
2000, C-Print Fotografie, 140 x 259 cm (Sammlung Martin)

Ein Kino aus den 50ern. Auf der beigebraunen Hauswand lässt RIO in knalligem rot von einer anderen Welt träumen: Strände, Sonne, Meer, schöne Menschen, kurz: vom schönen, aufregenden, ereignisreichen Leben.
Kino lockt für ein paar Stunden mit Abenteuer, Romantik, erfüllter Liebe.
Helden und schöne Frauen lassen den Alltag ein wenig vergessen.

Hubbard /Birchler treiben in ihrem Filmstill RIO die Illusion perfekt weiter.
Im Format den Abmessungen einer Leinwand nachempfunden, scheint erst auf den zweiten Blick nichts zu stimmen: Der Eingang ist viel zu klein dimensioniert in der Relation zu den Schaukästen und dem Rest des Bildes, die verrammelten Metalltüren verbeult, so als hätte jemand dagegen getreten und versucht, der schönen Scheinwelt nahe zu kommen, die Fliesen kaputt, der Briefkasten quillt über von Post, um die sich keiner mehr kümmert.


Detail



Alles ist Fassade, kein Blick ins Dahinter möglich, die Fenster spiegeln die Außenwelt: Die Zeiten sind vorbei, die Illusion wird heute auf anderer Ebene erzeugt und gesucht.

Für mich ist hier KINO perfekt auf den Punkt gebracht.
Trotz der Tristesse des Vergangenen vermittelt die Arbeit etwas rührend-liebevolles.
Ein Lieblingswerk.

RIO ist eines von vier Kinos, die das Duo in seiner Berliner Zeit fotografierte und digital bearbeitete.
Der Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt seit einiger Zeit auf Videos, aufwendig gestaltet und mit filmischen Mitteln umgesetzt.
Ihre Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen weltweit gezeigt.

Herbert Martin

Weiterführender Link zur Website der Künstler.