Wilhelm Sasnal und Musik – Eine sehr persönliche Betrachtung

 

Wilhelm Sasnal ist einer der wichtigsten Vertreter der zeitgenössischen polnischen Kunst.
Bekannt ist er für seine Malerei, vielfach ausgestellt und preisgekrönt, in den Sammlungen wichtiger Institutionen weltweit vertreten. Seit einigen Jahren arbeitet er zusammen mit seiner Frau Anka an Filmen. Seine Themen umfassen Politik, Geschichte, Privates – besonders wichtig ist für ihn Musik.

Zu Beginn seines künstlerischen Schaffens war in seinen Bildern eigentlich alles zu finden: Konsumprodukte, Alltagsgegenstände, Fotos. Eine bunte Bilderwelt, nahe an einer respektlosen Pop-Art, befreit vom politischen Druck. Im Lauf der Jahre änderte sich seine Wahrnehmung und seine Malweise, die Themen sind Politik, Umwelt, Geschichte, die Vergangenheit Polens, Persönliches – und Musik.

Einen Teil seiner Solo-Ausstellung in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen K21 im Jahr 2009 bildete ein Raum mit einer Auflistung der von Wilhelm Sasnal favorisierten Musikgruppen. Diese verdeutlicht den Wert, den er der Musik zuschreibt.

Ich begegnete Wilhelm Sasnal 2002 das erste Mal, wusste nicht, wer der junge Mann war, mit dem ich über das Porträt eines Schlagzeugers sprach, ein wunderbares keines Ölbild. Schließlich stellte sich heraus, dass es sich dabei um einen meiner Favoriten handelte, der mich – selbst seit vielen Jahren dilettantisch schlagzeugspielend – aufgrund seiner sehr eigenen Spielweise stark beeindruckte. Das war der Beginn eines bis heute recht intensiven Austauschs mit Wilhelm Sasnal über Musik, und – naja, manchmal geht es auch um Malerei. Diese Konstellation hat zum Erwerb von „DRUM SET No. 1“ geführt. Die starke schwarz-rot Malerei vermittelt mir noch immer die Power, Kraft, Entschlossenheit, das Drama und die Lebensfreude manches musikalischen Ereignisses. Kurz, es begeistert mich.

Das Konzert

 
Radek Szarek ist ein junger aus Polen stammender Musikprofessor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Nürnberg. Bei einem seiner hinreißenden Auftritte kam mir urplötzlich DRUM SET – das Gemälde von Wilhelm Sasnal – ins Gedächtnis. Ausgangspunkt für die Idee, wie wunderbar eine Interpretation von Radek Szarek zu diesem Werk sein könnte. Ich zeigte ihm ein Foto des Bildes, er fand es toll und die Idee spannend. Lange Diskussionen um das wie und wo führten im September 2017 zu einem Solokonzert von Radek Szarek im Neuen Museum in Nürnberg. Er hatte sich entschlossen, zu acht Ölbildern von Wilhelm Sasnal, die wir im Lauf der Jahre erworben hatten, zu improvisieren.

Das Auditorium im Neuen Museum Nürnberg. Spotlights tauchen den Raum in angenehmes Licht. In der Mitte die aufgebauten Instrumente, Schlagzeug, Marimba, Gongs, Becken – eindrucksvoll. Keine Bühne, die Zuhörer drum herum auf drei Seiten wie in einer Arena gruppiert, die vierte frei für die Projektion der Bilder. Spürbar knisternde Erwartung im Raum. Ein solches Experiment gab es noch nie. Wird die Technik funktionieren, der Ton, die Bildprojektion?

Ohne pathetisch werden zu wollen: die Instrumente schimmern, die ersten Töne erklingen.


Foto: RUDI OTT


Die „Schlange“ gleitet suchend und auch furchteinflößend über die Projektionswand, plötzlich nicht mehr gefangen im Moment, scheint sie sich zu bewegen, raschelt, zieht sich zurück, schnellt vor. Das „Couple“ pflegt in hohen Tönen ein Zwiegespräch, bis sich schließlich schrille Sounds einmischen, verebben, wieder aufleben. Die Struktur eines Zusammenlebens entwickelt sich aus Bild und Musik. Zur vielgezeigten und -diskutierten „Church“ ertönt ein Bach-Choral, löst sich auf, verliert sich schließlich.


Foto: RUDI OTT



Foto: RUDI OTT



Foto: RUDI OTT


Der „Hund“ knurrt, jault, räkelt sich, tappt fröhlich. Der „Mondstein“ bringt Töne aus einer anderen Welt. Und „DRUM SET“ führt zu einem energiegeladenen rhythmisch ausbalancierten, triumphalen Finale.


Foto: RUDI OTT



Foto: RUDI OTT


Ein glücklicher und entspannter Musiker strahlt über den gelungenen Auftritt, ebenso die Zuhörer.

Ein großartiges einmaliges Erlebnis.